Pflanzkartoffeln für die eigene Ernte

Pflanzkartoffeln für die eigene Ernte
Durch Pflanzkartoffeln lassen sich Kartoffeln für die eigene Ernte vermehren

Die Saatkartoffeln bilden die Basis für den Kartoffelanbau im Garten oder im Kübel auf dem Balkon. Sie sind eine gesunde Basis für die eigene Ernte schmackhafter Kartoffeln. Neben den bekannten und beliebten Sorten, wie Linda, Belana oder Princess sind es auch die alten und besonderen Sorten, die sich durch den Einsatz von sortenreinen Saatkartoffeln wieder in die Küchengespräche bringen. Sie bieten außergewöhnliche Geschmackerlebnisse und sorgen für Vielfalt auf dem Teller. Doch ganz unabhängig von der Sorte hat jede selbst angepflanzte Kartoffel einen besonderen Vorteil: sie kann geerntet und (wenn überhaupt nötig) nach kurzer Lagerzeit verzehrt werden. Das bietet einen frischen und intensiven Geschmack und erhält die hochwertigen Nährstoffe der gesunden Knolle.

Was unterscheidet Saatkartoffeln von Speisekartoffeln?

Äußerlich unterscheiden sich die herkömmlichen Speisekartoffeln von den Setzkartoffeln für den Garten kaum, doch sie werden anders ausgewählt, angebaut und behandelt.

1. Pflanzdichte auf dem Feld

Pflanzkartoffel Leyla

Die Kartoffel Leyla ist eine im Erwerbsanbau beliebte Sorte

Für die Erzeugung von Pflanzkartoffeln ist deren Größe weniger wichtig als ihre Menge. Aus diesem Grund werden die Saatkartoffeln enger auf dem Feld gepflanzt als die Speisekartoffeln. Auf einem Hektar Anbaufläche kann der Unterschied bei rund 20000 Pflanzen liegen.

2. Größe der Knolle

Da die Speisekartoffeln mehr Platz haben als die Pflanzkartoffeln, bilden sie größere Knollen aus. Die Saatkartoffeln sorgen hingegen für mehr Knollen an einer Pflanze.

3. Saatkartoffeln werden kühler gelagert

Während man bei Speisekartoffeln darauf achtet, dass diese nicht zu kühl gelagert werden (zwischen wenigstens 4 °C und 10 °C), findet die Lagerung von Setzkartoffeln im Allgemeinen bei Temperaturen im sehr kühlen Bereich von 2 bis 3 °C oder etwas wärmer bei 6 bis 7 °C statt. Dies ist abhängig von der jeweiligen Kartoffelsorte.

4. Pflanzkartoffeln sind unbehandelt

In der konventionellen Landwirtschaft werden die Kartoffeln oftmals mit Fungiziden und Keimhemmungsmitteln behandelt. Diese Wachstumsregulatoren sollen verhindern, dass die Knollen keimen und so die Lagerfähigkeit optimiert wird. In Deutschland ist unter anderem der Einsatz von Chloropham verbreitet, der durch die Auszeichnung „nach der Ernte behandelt“ auf der Kartoffelverpackung zu erkennen ist. Biologisch angebaute Kartoffeln dürfen nicht auf diese Art behandelt werden. Im privaten Garten können sie also auch als Saatkartoffeln genutzt werden. Dafür sollten sie ungewaschen und gesund sein. Ausgewiesene Pflanzkartoffeln werden mit diesen Mitteln ebenfalls nicht behandelt, da sie sonst nur schwer zur Keimung gebracht werden könnten.

5. Setzkartoffeln sind sortenrein

Die Pflanzkartoffeln für den eigenen Anbau sind sortenrein. Werden sie eingepflanzt, kommt mit Sicherheit eine Pflanze mit den gleichen Eigenschaften wie die Mutterknolle heraus. Bei nicht sortenreinen Kartoffeln kann dies anders sein.

6. Saatkartoffeln werden auf Krankheiten untersucht

Kartoffeln können wie die meisten Pflanzen von verschiedenen Krankheiten und Schädlingen heimgesucht werden. Die Pflanzkartoffeln werden auf ihre Gesundheit überprüft.

  • Es steht unter anderem ein Befall von Kartoffelnematoden im Fokus der Untersuchung. Diese Fadenwürmer saugen an den Kartoffelwurzeln. Ihre Speichelsekrete führen zu Veränderungen innerhalb der Kartoffelwurzel, die so in ihrer Funktion gestört werden kann. Ein verminderter Ertrag kann die Folge eines Befalls durch diese Kartoffelschädlinge sein. Hierfür werden unter anderem bereits bei der Anzucht mehrmals Feldkontrollen durchgeführt.
  • Es wird nicht nur auf Krankheiten (Viren und Bakterien) und Schädlinge, sondern auch auf die Sortenechtheit und die Sortenreinheit hin geprüft.

Kann man Pflanzkartoffeln essen?

Theoretisch können Saatkartoffeln wie alle anderen Kartoffeln verspeist werden. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, wie die Knollen gekennzeichnet sind. Ist auf dem Etikett keine Kennzeichnung über eine Behandlung zu finden (was in Deutschland rechtlich nötig wäre), kann man davon ausgehen, dass es sich um unbehandelte Knollen handelt, die man auch entsprechend verzehren kann.

Speisekartoffeln als Saatkartoffeln einsetzen?

Privatpersonen dürfen rechtlich gesehen in ihrem Garten auf herkömmliche Speisekartoffeln als Pflanzkartoffeln zurückgreifen. Nur für den offiziellen Verkauf sind diese Knollen nicht zugelassen. Meist bringen die Speisekartoffeln etwas weniger Erträge als die Saatkartoffeln, aber im eigenen Garten ist dies nicht so relevant wie bei professionellen Erzeugern. Allerdings gilt es zu bedenken, dass man aus den Kartoffeln der eigenen Ernte zwar immer wieder neue Pflanzkartoffeln für das nächste Jahr gewinnen kann, diese aber qualitativ im Laufe der Zeit nachlassen können. Aus dem gesunden, eigenen Bestand Kartoffeln für die Saat im nächsten Jahr zu gewinnen ist vor allem bei alten und besonderen Sorten sinnvoll, die in der Anschaffung sonst recht teuer sind und auf diese Art erhalten werden können.

Kartoffeln „äugeln“ – vermehren und verjüngen

Wenn in jedem Jahr Kartoffeln aus der eigenen Ernte für die Kultivierung im nächsten Jahr gewählt werden, können diese auf Dauer degenerieren. Diesem Vorgang kann mit einer „Verjüngungskur“ entgegengewirkt werden. Hierbei wird der Fruchtkörper von den Keimlingen größtenteils entfernt. Die Folge ist, dass diese gezwungen sind besonders schnell neue Wurzeln für die Versorgung auszubilden und sich so erneuern. Dieser Vorgang soll sich nicht nur positiv auf die Gesundheit der Pflanzen auswirken, sondern auch einen intensiveren Geschmack und eine kräftigere Farbe nach sich ziehen.

Für das sogenannte „Äugeln“ wird eine gesunde Kartoffel ausgewählt, die leicht gekeimt hat (Auge), und ein scharfes, sauberes Messer benötigt.

Das Äugeln wird wie folgt durchgeführt:

  • Mit einem scharfen Messer werden die bereits sichtbaren Keimlinge der Kartoffel (zusammen mit einem kleinen Stück der Kartoffel) ausgeschnitten.
  • Diese Teile können nun wie beim gewöhnlichen Einpflanzen der Kartoffeln eingesetzt werden.
  • Am Anfang sind die Pflanzen meist etwas kleiner, später erholen sie sich jedoch.
  • Zusätzlich zu den sichtbaren Trieben sind an den Kartoffeln auch blinde Keimlinge, also noch nicht durchgebrochene Triebe, zu finden. Meist als dunklere Stellen erkennbar.
  • Diese blinden Keimlinge können ebenfalls ausgeschnitten und eingesetzt werden.

Pflanzzeit von Saatkartoffeln

Kartoffelsorte Linda

Die Sorte Linda ist bei uns in Deutschland eine der beliebtesten Sorten

Die Pflanzzeit von Setzkartoffeln erstreckt sich abhängig von der Sorte von März bis Mitte April. Da für den Anbau im eigenen Garten vor allem Frühkartoffeln zum Einsatz kommen, werden die Saatkartoffeln meist schon im März eingepflanzt. Bevor die Setzkartoffeln in die Erde kommen, muss jedoch ihre Keimruhe gebrochen und eine Vorkeimung durchgeführt werden. Hierfür benötigen die Knollen Wärme und Licht. So bilden sich die Keime aus. Dies ist nötig, damit die Knollen überhaupt so früh im Jahr in die Erde gepflanzt werden können, denn für eine Keimung unter der Erde wäre es noch zu kalt. Die Vorkeimung der Pflanzkartoffeln sorgt zudem dafür, dass die Pflanzen robuster sind und schneller reifen können. Nach der Vorkeimung werden die Saatkartoffeln eingepflanzt.

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